Bekenntnis

Unser Selbstverständnis

Wir sind angetreten, um der Welt zu erklären, wie viel Glück sie hat, dass es Fortuna Düsseldorf gibt. Wir sind angetreten, um der Welt zu erklären, wie viel Pech sie hat, dass es gleichzeitig aber den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach gibt. Wir denken, das solltet ihr wissen, bevor ihr anfangt, hier zu lesen. Vielleicht wäre es auch nicht verkehrt im Hinterkopf zu haben, dass wir reine PopulistInnen, PolemikerInnen und IdealistInnen sind. Wir haben grundsätzlich Recht und wissen alles. Was wiederum daran liegt, dass jede Zeile der Weisheit letzter Schluss ist.

Dementsprechend nehmen wir uns die Freiheit, jeden und alles zu kritisieren – vor allem die Damen und Herren in der Vorstandsetage unseres Vereins, des DFBs, der DFL, der Fernsehsender, der gedruckten Presse, der Großindustrie und der Politik. Aber auch Trainer, Spieler, echte und Internetfans bekommen hier gern mal ein Zeugnis ihrer Arbeit. Jeder, der in unseren Augen falsch handelt, bekommt das auch gesagt. Denn unsere Liebe zum Fußball im Allgemeinen und Fortuna im Speziellen hat nichts mit einer unkritischen Bewunderung zu tun.

Uns interessiert alles und wir machen uns zu allen Themen Gedanken. Deswegen beleuchten wir sämtliche Teile des Spiels: das Geschehen auf dem Platz, die Machenschaften der Entscheidungsträger und die Leidenschaft auf den Tribünen. Unser Interesse beginnt nicht erst am Spieltag und endet nicht schon am Saisonende. Wir leben die Sache 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche.

Das Ganze lassen wir gewöhnlich zwei Mal im Jahr drucken, schustern vorher ein paar Bilder dazu und verteilen es für ein kleines (nur kostendeckendes) Entgelt unter den Fortunen und allen anderen Interessierten. Da uns das aber nicht mehr reicht und wir gern häufiger etwas sagen würden, gibt es den SCHLOSSTURM nun auch im Internet. Inhaltlich gelten dieselben Regeln wie für die gedruckte Fassung.

Für die Freiheit! Für Fortuna!

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Um uns besser verstehen zu können, veröffentlichen wir hier noch mal unseren Wir-feiern-uns-Artikel aus dem SCHLOSSTURM Nummer 10:

Der Schlossturm feiert sich für zehn Ausgaben

Als ich mich Anfang des Jahres 2004 dazu entschloss, dem vom SCD initiierten Treffen einen Besuch abzustatten und mal zu gucken, wer sich da alles anschickt, ein neues Fanzine auf den Markt zu werfen, ahnte ich noch nicht, wie das alles enden würde. Hin und wieder mal etwas schreiben. Mal ‘ne Anekdote zum Besten geben, mehr nicht, dachte ich mir. Schreiben hatte mir schon immer Spaß gemacht und über Fortuna weiß ich ja auch das ein oder andere. Und wenn da jetzt nur Idioten sitzen, kann ich ja schnell wieder gehen.

So kam ich ins Lot Jonn – selbstredend zu spät – und setzte mich erst einmal weiter außen in die Runde. Fast 15 Leute waren gekommen, die schon fleißig über Formate, Auflagen, Druckkosten und Inhalte debattierten. Wen interessiert denn so was, fragte ich mich. Ich will doch einfach nur ein paar lustige Storys erzählen. Doch da einige nach eigener Aussage bereits Erfahrung mit der Erstellung eigener Hefte hatten, blieb ich still im Hintergrund. Ein paar Themenvorschläge warf ich zwar in die Runde – an mehr war erst mal nicht zu denken. Trotzdem wurde ich gemeinsam mit einem Co-Autoren dazu auserkoren, das Titelthema zu übernehmen. Und das hatte es gleich in sich: 20 Jahre Bushwhackers Düsseldorf. Ich sollte also gemeinsam mit Nord zu einem der wichtigsten Leute der heimischen Hooliganszene und ihn über sein (Fortuna-)Leben ausfragen. Zwar kannte ich den ein oder anderen der Bande von diversen Auswärtstouren, aber auch nicht wirklich gut und eher nur vom Grüßen. Wenn überhaupt geredet wurde, dann an einer Raststätte so Sätze mit Tiefgang wie „hoffentlich gewinnen wir heute“.

Doch als wir endlich da waren, hätte es nicht entspannter laufen können. Die Geschichten, die die beiden auspackten, waren sensationell. Und es ging bei weitem nicht nur ums Boxen. Ich kam mir vor, wie in der Märchenstunde. Die beiden Jungs erzählten, wir hörten gebannt zu und bekamen Geschichten aus einer Zeit zu hören, in der wir noch mit den Eltern an der Hand die Stufen zum Familienblock enterten. Wahrscheinlich war es eine der spannendsten Geschichtsstunden meines Lebens. Einfach großartig!

Nur: Wie würde der gemeine Fortunafan reagieren, wenn wir diese Geschichte nun auch schreiben? Wir waren gespannt und brauchten Wochen, um den im Endeffekt sechsseitige Artikel zu schreiben. Kurze Zeit später erklärte Layoutmann Mathias, das Ding sei endlich fertig. Wie gebannt warteten wir auf den Kurier aus Karlsruhe, wo wir das Ding anfangs drucken ließen. Und als der erste Karton offen war, staunten wir nicht schlecht. Das sah ja richtig professionell aus. Und vor allem: Das war unser Werk. Aber würden es die Leute auch kaufen?

Am ersten Verkaufstag waren unsere Sorgen unbegründet. Wir brachen alle Rekorde, die Leute rissen uns das Heft aus der Hand. Schon beim zweiten Spiel meldeten wir ausverkauft. Doch es kam noch besser: Als ich einige Wochen danach die damals noch lesbare „11 Freunde“ aufschlug, waren wir auf einmal „Heft des Monats“. Wir, die 15 verpeilten Leute aus dem Lot Jonn. Für uns war klar: Es musste weiter gehen.

Hoch motiviert stürzten sich alle auf die kommende Ausgabe. Jeder wollte schreiben, jeder wollte dabei sein. Und die Auflage müsse hoch. 1000 seien jetzt viel zu wenig, hieß es. Wieder wurde ich mit dem Titelthema betraut. Eigentlich hatte ich es nur mal kurz in die Runde gesagt, dass ich es lustig fänd, Klaus Allofs und Gerd Zewe über alte, bessere Tage zu interviewen, wie ich das aber machen sollte, war mir selbst schleierhaft. So schrieb ich einfach mal eine E-Mail an den SV Werder, in der ich mein Anliegen vorstellte. Eine Reaktion erwartete ich eigentlich nicht. Aber so konnte ich den anderen wenigstens sagen, dass ich es versucht hätte, aber ein Manager eines Deutschen Meisters wohl andere Sorgen hätte, als ein Fanheft seines nun drittklassigen Heimatvereins.

Doch dann kam alles anders: Während ich bei meinem Nebenjob saß und mich gerade um Kreisliga-B-Tabellen kümmerte, klingelte mein Handy. „Hallo?“, sagte ich uninteressiert. „Klaus Allofs hier, sie wollten mich interviewen? Eigentlich hab ich einen Termin. Aber für Fortuna hab ich immer Zeit – zumindest fünf Minuten. Schieß los“, sagte die Stimme an der an der anderen Seite. Mir stockte der Atem. Wurde ich gerade von Kumpels mit verstellter Stimme verarscht? Nein, er war es wirklich. Was sollte ich jetzt tun? Ich hatte nicht mal die Fragen bei mir. Also druckste ich zehn Sekunden lang herum, verzog mich in das Besprechungszimmer und fing einfach an zu quatschen. Und Klaus quatschte auch. Selbst die ganzen Jahre in Frankreich und im Norden haben seinen rheinischen Trieb, 700 Worte pro Sekunde zu sagen, nicht zerstört. Aus den ursprünglichen fünf Minuten wurden locker 30.

Dennoch wurde die zweite Ausgabe ein Reinfall. 1500 Exemplare hatten wir drucken lassen. Doch da unser Team eine unterirdische Halbserie spielte und nur noch grob 4000 Fans zu den Spielen kamen, blieben wir auf einem Großteil sitzen. Jeder musste gar Geld aus der eigenen Tasche hinzuschießen, um die Kosten zu decken. Wir waren am Arsch. Kaum noch einer hatte wirklich Lust, weiter zu machen. Zwar wollten wir kein Geld verdienen, aber nach den ganzen Mühen noch draufzahlen? So verringerte sich die Redaktion binnen kürzester Zeit auf nur noch fünf Leute, an denen nun alles hängen blieb. Planung, Texte, Bilder, Layout, Korrekturlesen, Druck, Vertrieb, Kosten. Es war eigentlich fast nicht zu schaffen, doch irgendwie bissen wir uns durch. Und auch unsere Angst, nach der vierten oder fünften Ausgabe keine Themen mehr zu haben, erwies sich als unbegründet. Trotzdem ging es bergab. Zwei Ausgaben später waren wir nur noch zu dritt. Doch jetzt aufgeben? Nein, wir gingen in die Offensive und entschlossen uns, dem Heft ein neues Gesicht zu geben.

Nicht nur optisch. Auch inhaltlich wollten wir nun neue Wege gehen. Weg vom Spaßheft, in dem vorrangig Saufgeschichten, die mit Kurven- und Gruppenbildern garniert sind, stehen. Wir wollten kritisieren und informieren. Trotzdem sollte das Heft nicht völlig humorbefreit daher kommen. So hatten wir neben aller Kritik an der Kommerzialisierung, an Stadionverboten, am neuen Stadion oder den Fans immer noch lustige Momente wie unsere Serien „Probleme unserer Zeit“ oder „10 Dinge“ sowie das legendäre Interview mit dem Asi-Neusser.

Doch dann folgte die siebte Ausgabe. Woche für Woche waren wir angepisst von der Passivität der Leute auf den Tribünen. Also entschieden wir uns, einen Text zu schreiben, der mal gründlich aufräumt in der Fortuna-Kurve. Zehn Seiten lang wurde unser Pamphlet gegen den modernen und vor allem ruhigen Fortunafan. Und was dann folgte, hatte unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Seitenlange Hassbeiträge im 95er-Forum, bitterböse E-Mails und persönliche Anfeindungen im Stadion. Hurra, wir hatten es geschafft. Wir hatten die Diskussion, die uns seit Jahren auf der Seele lag, angezettelt. Endlich hinterfragte sich ein Teil unserer Kurve. Und siehe da: Auf einmal klappte es besser. UD zog in den Block 42 und hielt damit allen anderen den Spiegel vor. Wir waren in aller Munde und das Heft selbstredend ausverkauft.

Eine Ausgabe später trafen wir uns mit Olli Caillas und erlebten das wohl beste Interview der Schlossturm-Historie. Doch das Ganze war so offen und ehrlich, dass sich der Verein querstellte und keine freien Interviews mehr zuließ. Zensur von höchster Stelle. Doch wir ließen uns nicht unterkriegen. Wieder war das Heft schnell vergriffen. Eine Ausgabe danach legten wir noch einen drauf. Minutiös erzählten wir alle Irrungen und Wirrungen um die Stehplatz-Problematik und brachten so die Diskussion, die die Stehplatz-Initiative „Stonn op!“ dann in geregelte Bahnen lenkte, ins Rollen. Wieder ausverkauft. Wir waren endgültig da.

Nun sitze ich vor der zehnten Ausgabe und schreibe diesen Text, den ich vor fünf Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Aus dem kleinen und chaotischen Treffen im Lot Jonn ist mittlerweile (ohne vermessen klingen zu wollen) ein richtiges Stück Fortuna geworden. Das Heft kommt jedes Mal ins Vereinsarchiv, die großen Zeitungen berichten über unsere neue Ausgabe, das Fernsehen war schon zum Interview da. Dazu gab es mehrere Preise in der „11 Freunde“ und aktuell sind wir sogar zum Heft des Jahres der „Akademie für deutsche Fußballkultur“ nominiert. Und das, obwohl wir das komplette Heft immer noch nur zu dritt machen. Rund 300 Stunden Arbeit stecken in jeder Ausgabe, vor deren Erscheinen wir uns immer in die Hose machen. „Schaffen wir das pünktlich bis zum ersten Spieltag? Hätten wir nicht früher anfangen müssen, Spielberichte zu schreiben?“ Klar, hätten wir, aber passt schon. „Wir schaffen das zum Spiel gegen Paderborn. Keine Angst!“ Auf die nächsten zehn!