Mit Phil in Liga drei

Dem leukämiekranken Phil (27) hat das Wasser in den Augen gestanden, als er hörte, wie viele Menschen zur Typisierungsaktion ins Haus der Jugend gekommen waren, die die Ultras mit der Knochenmarkspenderzentrale organisiert hatten. Über 1000 Menschen haben mitgemacht. Auch Vertreter des Vereins wie Robert Palikuca, Jugendteams und die Zwote. Nur die Spieler von der momentan so erfolgreichen Zweitliga-Mannschaft vermisste man lange.

Schließlich tauchte zwar doch noch Norbert Meier mit zwei Spielern – die selbst eingefleischte Anhänger nicht identifizieren konnten – auf, doch zwei Fragen blieben an diesem Abend unbeantwortet:

1. Warum kündigt die sportliche Geschäftsführung Ende August an, dass Spieler der ersten Mannschaft anwesend sein werden und macht dann einen Tag später ein zeitgleiches Freundschaftsspiel bei einem Bezirksligisten aus? Gut, auf Drängen der Fans kamen noch drei Vertreter der „Ersten“, und Palikuca hat auch Recht, wenn er sagt: „Es weiß doch keiner, wer von den Jungs vielleicht schon typisiert ist.“ Als Verein hinter der Aktion stehen, sieht aber anders aus. Präsenz auf der Homepage und in den Medien ist vergleichsweise schnell hergestellt. Und dem Verein muss man zugute halten, dass er ein Soli-T-Shirt entworfen und verkauft hat. Aber sich vor Ort für die Sache stark zu machen und damit zu zeigen, dass auch die Mannschaft zur Fortuna-Familie mit dem Wahlspruch „United we stand“ gehört, geht anders. Wer von den Spielern schon registriert ist, hätte ja nicht nochmal das Wattestäbchen lutschen müssen. Selbst die DEG hat es im Frühjahr hinbekommen, eine Typisierungsaktion mit einer Spieler-Patenschaft zu begleiten und zu unterstützen. Noch besser wäre natürlich gewesen, die Mannschaft hätte sich geschlossen hinter die Aktion gestellt, wie es Hertha BSC im Leukämie-Fall „Benny“ und den Folgeaktionen auch getan hat.

Womit wir bei der zweiten offenen Frage wären:

2. Was in Fortunas Namen reitet Menschen (Vereinsmitarbeiter), die sagen, dass sich die Spieler besser nicht typisieren lassen sollten, weil sie ja zwei Wochen ausfallen könnten, sollten sie tatsächlich als Spender in Frage kommen. Dass es solches Denken in unmittelbarer Vereinsumgebung gibt, ist höchst bedenklich. Stehen drei Punkte – die die Fortuna fürwahr bitter nötig hätte – nun über einem Menschenleben? Geht’s noch? In der aktuellen Lage wäre ein Fortuna-Spieler bei der Knochenmarkspende ohnehin millionenfach produktiver als auf dem Fußballplatz. Und davon abgesehen sollte jeder Fortune lieber mit Phil in Liga drei absteigen, als ohne ihn drinzubleiben. In diesem Sinne – gute Nacht!

Gastbeitrag

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